Die Flat Tax ist wieder da! Her mit ihrer Stimme!


Quelle: Stephan Bratek/geralt / pixelio.de

Kaum melden Unternehmen steigende Absatzzahlen, die Arbeitsagentur historisch  schlecht gefälschte niedrige Arbeitslosenzahlen, fangen die Politiker wieder Stimmen für utopische Reformen die am Ende wieder nicht durchgeführt werden, oder in einer bürokratischen Katastrophe enden.

Wir wollen die Flat Tax! Oder besser, die Stimme muss erkämpft werden, egal wie!


Machen wir uns nichts vor, jeder der sich derzeit mit dem Versuch der Reform des Steuersystem freiwillig beschäftigt ist entweder wahnsinnig, verrückt oder beides. Für einen Politiker oder eine Partei kann das existenzgefährdend werden. Ein gordischer Knoten ist pipifax. Herr Prof. Kirchhof war Hoffnungsträger und ein wahrer Experte der wohl geschätzt wurde. Jedoch nicht von der Politik. Er beging den Fehler die Sache „Steuervereinfachung“ nicht politisch genug gesehen zu haben, sondern ergebnisorientiert -so wie es sich für ein Thema gehört- bei dem es um fremdes Geld, UNSER Geld geht. „Alles war machbar“ gescheitert am „alles nicht durchsetzbar“.
Was er damals nicht geschafft hat schafft derzeit kein anderer. Das dürfen sie mir glauben, ich will ihre Stimme nicht.

Ja auch wir Steuerberater mögen das System nicht. Wir können es auch nicht verstehen. Glauben Sie nicht das wir uns darüber freuen, oder gar nach dem Motto „je komplizierter, desto mehr verdienen wir“ leben. Das stimmt einfach nicht. Der Mehraufwand kann schon lange nicht mehr 1:1 oder gar mit Gewinn weitergegeben werden. Viele Kanzleien versuchen diesen durch Organisation und Automatisierung etc. zu kompensieren. Finanziell belastete Mandanten versuchen ihre Buchhaltung selbst zu machen, wobei „versuchen“ es gut trifft. Selbst die Kommunikation mit dem Mandanten weshalb dieser politische Mehraufwand entsteht ist schwer zu führen. Fristen laufen aus den Ufern und die Finanzämter sind ebenfalls überlastet. Wir hätten auch mit einer Flat Tax genügend zu tun. Beratung statt bürokratische Aufgabenerfüllung wäre wieder das Geschäftsfeld. Die Lohnsteuerhilfevereine wären da stärker betroffen. Auch die Mandanten wären glücklicher uns für die Zukunftsentwicklung zu bezahlen statt für die Vergangenheitsbewältigung.

Steuererklärung per Elster über das Internet klingt auch so einfach und günstig, wobei diese Elster Ihren Namen verdient. Bei jedem 2. Neumandanten finden wir extreme Fehler in den selbst erstellten Erklärungen oder für die Jahre ergangenen Steuerbescheiden die entweder aus Unwissenheit, versehentlich gemacht oder nicht beanstandet wurden. Diese irreparablen Schäden freuen aber das Finanzamt vermutlich nicht so sehr. Diese müssen qualitativ minderwertige Erklärungen bearbeiten und haben sicher auch keinen Spass daran.

Bei Discountern gibt es schließlich Steuersparprogramme für ein paar Euro mit dem man zwar nach vielen Stunden rumgeklicke umgehen kann, aber im Zweifel einfach nicht weiß ob das Finanzamt nicht doch 500 € zuviel bekommen hat. Nein, auch Schadenfreude empfinden wir nicht, das ist Mitleid. Mitleid zum einen mit der verständlichen Situation sich fachlichen Rat nicht leisten zu können wollen. Zum anderen aber auch mit dem Produktivitätsverständnis derjenigen die statt Ihrer eigentlichen Berufung oder Tätigkeit nach zugehen stundenlang das versuchen was wir in kürzerer Zeit und besser schaffen.

Schauen wir uns einige der unzähligen neu geschaffenen Bürokratiemonster der letzten Jahre an:

Die Einführung des BilMoG z.b. hat dazu geführt das viele bilanzierende nun quasi zu 2 Bilanzen verpflichtet werden. Die handelsrechtliche und die steuerrechtliche. Bringen tut diese „Reform“ evtl. nur den größeren Unternehmen was. Diejenigen die sich möglichst arm rechnen wollen für das Finanzamt, und möglichst reich rechnen für Geldgeber und Investoren. Und so aktivieren Sie nun den „Fair Value“ und passivieren die latenten Steuern. Am Ende ist die Bude auch nicht mehr Wert als sie vorher war. Die Banken z.B. rechnen diese „schönen Bewertungen“ schließlich auch wieder heraus. Das Powerpoint auf der Investorenkonferenz ist nur um paar Seiten und Balken größer. Der vom Himmel fallende Scheich kauft dennoch nicht zu diesem Preis.

Die Absetzbarkeit von haushaltsnahen Dienstleistungen und Handwerkerleistungen war eine relativ sinnvolle Förderung des Handwerkers / Elektrikers. Schwarzarbeit wollte man bekämpfen, und das Handwerk fördern.
Der Aufwand zur Absetzbarkeit dieser ist bei Hausverwaltern und den Mandanten jedoch groß. Auch wir Steuerberater haben Mehraufwand. Müssen den Mandanten erklären was eine „haushaltsnahe Dienstleistung“ den genau ist, darauf Hinwesen was das Finanzamt an Unterlagen braucht, Nebenkostenabrechnungen anfordern und selbst dann bei den meisten nochmals Nachfragen nach dem ein oder anderen Beleg oder Kontoauszug. Es lebe die Bürokratie!

Die Absetzung von Kinderbetreuungskosten
als berufsbedingte Ausgaben ist keine schöne Sache für uns Steuerberater. Auch die müssen nachgewiesen werden, jede 2. Erklärung mit diesen Kosten verführt das Finanzamt zum ganz genauen Nachweis durch Kontoauszüge, da sich die Beamten wohl nicht vorstellen können das Kinderkrippen bis zu 700 € pro Monat (in München) kosten können. Natürlich ist die Verpflegung des Kindes nicht absetzbar, so dass der Steurberater das aufteilen muss. Private Kinderkrippen boomen derzeit in München, nicht ohne Grund!

Wo ist der Vorteil wenn private Einrichtungen 700 € nehmen -mit Gewinnerzielungsabsicht- + Förderungen der Stadt und der Staat die Gewinne durch 2/3 Abzugsfähigkeit subventioniert, zu dem Versuch das staatliche Kinderkrippen ihre Dienste kostenfrei für Berufstätige anbieten und das Angebot massiv ausgeweitet wird. Die indirekte Subvention macht im obigen Beispiel bei 700 € Kosten, bei mittlerem Steuersatz 180 € pro Monat aus.

Und das waren erst 3 der geschätzten 1000 Ausnahmen und Begünstigungen.
Mit all diesen Fragen wird sich ein neuer Reformer beschäftigen müssen. Alles fordern aber nichts erwarten. Arbeit ohne Ende.
Wie nehmen Sie nun einem „begünstigten Handwerker“ oder der „privaten Kinderkrippe“ die zum teil staatlich garantierten Gewinne wieder weg?

Eine radikale Entknotung würde politische Unruhen hervor rufen. Wankelmütige Politiker würden hierbei wieder Kompromisse eingehen.. usw..

Fazit: Nur extreme politische Veränderungen, Krisen oder gar Kriege können das System entknoten.

Alles andere ist einfach nicht durchsetzbar. Das weiß auch jetzt Herr Prof. Kirchhof.

Das System ist tot, es lebe das System.

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